Ja für Olympia - Köln-Rhein-Ruhr braucht Ja für öffentlichen Verkehr
von Rainer Engel | Fahrgastverband PRO BAHN fordert umfassendes Verkehrskonzept
Erfolgreiche Olympische Spiele mit geplanten rund 14 Millionen Tickets brauchen beim schon jetzt überlastetem Schienenverkehr dringendst einen Ausbau der Bahninfrastruktur. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert daher von den Verantwortlichen ein realistisches Konzept, wie die gravierenden Flaschenhälse im Schienennetz bis zu einer solchen Großveranstaltung beseitigt werden können, damit Spielstätten ohne Stau erreichbar sind.
Sowohl die Olympischen Spiele in München 1972 als auch die Expo 2000 in Hannover brachten riesige Vorteile für den öffentlichen Verkehr: Beide Städte bekamen eine S-Bahn, der Hauptbahnhof in Hannover wurde modernisiert und Hannover bekam den Messebahnhof in Laatzen.
Auch Nordrhein-Westfalen kann mit der Ausrichtung Olympischer Spiele in ähnlicher Weise ein zukunftsfähiges Schienennetz erhalten, wenn sich das Land und die Metropolregion Rhein-Ruhr um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. „Gegenwärtig haben sowohl die geplante Olympiaregion mit den meisten Spielstätten zwischen Köln und Dortmund als auch die Zubringerstrecken viele Flaschenhälse bei der Schiene, die bis zum Olympiastart behoben werden müssen“, weiß Dr. Thomas Probol, stv. Bundesvorsitzender beim Fahrgastverband PRO BAHN. „Dies kann durch Ausbau vorhandener Strecken, Reaktivierung von Ausweichstrecken und konsequenter Digitalisierung geschehen.“
„Wenn sich Land und Metropolregion für die Bewerbung entscheiden, dann muss die Schieneninfrastruktur schneller und umfangreicher ausgebaut werden als bisher vorgesehen“, sagt Dr. Andreas Schröder, Landesvorsitzender PRO BAHN NRW. „Beispielhaft liegen sieben der 26 als offiziell vom Infrastrukturbetreiber DB InfraGO für überlastet erklärten Schienenwege in NRW, auch die Strecke Gelsenkirchen – Münster, die jetzt schon unter großer Überlast ächzt“, ergänzt Probol. „Diese Überlastungen müssen für Olympia Rhein-Ruhr, soweit es irgendwie geht, durch Ausbau und Digitalisierung verringert werden, damit mehr Züge verlässlicher fahren können.“
Schröder mahnt: „Gerade der Ausbau der Achse Köln – Düsseldorf – Duisburg – Dortmund, also der Ausbau des Rhein-Ruhr-Express (RRX), muss unbedingt bis zum Beginn der Olympischen Spiele fertiggestellt sein. Die Reaktivierung der Ratinger Weststrecke, also von Duisburg über Ratingen nach Düsseldorf, schafft zusätzliche Kapazitäten und dient nach Fertigstellung als wichtige Ausweichstrecke, falls der RRX zwischen Düsseldorf und Duisburg eingeschränkt wird.“ Schröder und Probol halten auch das Vorziehen des schon beschlossenen zweigleisigen Ausbaus der Strecke Münster – Lünen für dringend notwendig, der die Kapazität zwischen Dortmund und Münster für Nah- und Fernverkehr massiv erhöht.
Probol freut sich über den Ausbau des jetzt schon chronisch überlasteten Kölner S-Bahn-Netzes: „Hier ist die Erweiterung der drei Stammstreckenbahnhöfe Hansaring, Köln Hbf und Köln-Messe/ Deutz mit je 2 Bahnsteigkanten pro S-Bahn-Richtung hervorzuheben, der bis zum Olympiastart fertiggestellt sein muss. Auch die Kölner Westspange als wichtige Entlastung Richtung Bonn und Eifel muss bis dahin fertig ausgebaut sein. Die auszubauenden Strecken von Mönchengladbach nach Köln und von Bedburg nach Düsseldorf sollen große olympische Spielstätten bedienen und sind damit auch Bau seine im Anfahrtpuzzle.“
Probol bringt noch einen anderen, wichtigen Aspekt ins Spiel: „Bei vielen Bahnhöfen, z. B. in Köln und Düsseldorf, gibt es schon jetzt in Stoßzeiten dichtes Gedränge. Hier wird man sich Gedanken machen müssen, wie die zusätzlichen Fahrgäste transportiert werden können.“
„Die Bewerbung für die Olympischen Spiele braucht eine sofortige, schonungslose Analyse der Schwachstellen der Bahn, die sonst häufig vom Tuch des Schweigens bedeckt werden“, bemerkt Schröder. „Neben den schon erwähnten Engpässen haben wir leider auch noch weitere im Schienennetz. Erst mit einer Analyse werden die Schwachstellen sichtbar.“
Zusammenfassend meinen Schröder und Probol: „Viele Linien sind heute schon massiv ausgelastet und in Stoßzeiten regelrecht überfüllt. 14 Millionen Ticketverkäufe für Wettkämpfe führen NRW ohne Schienenausbau ins Verkehrschaos.“ PRO BAHN begrüßt, wenn go.Rheinland, VRR und NWL als zuständige Aufgabenträger zeitnah ein konkretes Ausbaukonzept mit bis zum Olympiastart fertiggestellten Strecken veröffentlichen. „Dann bekommen wir und andere Mobilitätsverbände ein besseres Gespür dafür, was an Sinnvollem schon angedacht ist und was noch zu ergänzen wäre“, bemerkt Schröder. Die Olympischen Spiele Köln-Rhein-Ruhr sind eine große Chance für den öffentlichen Verkehr in Nordrhein-Westfalen, genau wie die Großevents 1972 und 2000 es schon waren. Wenn dann das Geld für den Ausbau auch in die Hand genommen wird, wird nach den Spielen ganz NRW langfristig davon profitieren.

Kommentare