Bahn-Neubaustrecke: NRW und OWL haben viel zu verlieren

von Rainer Engel | Vorträge am Tag der Schiene in Löhne

Die Auswirkungen einer Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover auf Ostwestfalen- Lippe und Nordrhein-Westfalen stehen im Zentrum einer öffentlichen Vortragsveranstaltung des Fahrgastverbandes PRO Bahn am 17. September 2022 im Bürgerbahnhof Löhne. Dabei soll deutlich werden, dass Land und Region sehr viel zu verlieren haben, wenn das umstrittene Projekt der Neubaustrecke lokalem Kirchturmsdenken zum Opfer fällt.

Der Fahrgastverband PRO BAHN wird dem Kompetenzcenter integraler Takt den Fahrgastpreis 2022 des PRO BAHN-Bundesverbandes verleihen. Diese Institution wird von den Aufgabenträgern des Nahverkehrs und der Landesregierung getragen, hat ihren Sitz in Bielefeld und hat durch seine Arbeit bereits sehr viel zur Verbesserung des Schienenverkehrs in NRW beigetragen. Mit Zukunftskonzepten für die Jahre 2032 und 2040 hat das Kompetenzcenter unter Leitung von Kai Schulte ein Zeichen gesetzt, wie die Entwicklung des Regionalverkehrs im Land vorangehen kann. Dabei setzt dieses Zukunftskonzept für den Schienenverkehr konsequent auf den Deutschlandtakt auf und nutzt die Vorteile des Neubaustrecken-Projekts zur Verbesserung des regionalen Schienenverkehrs. Unter anderem ist die Verdichtung des Regionalverkehrs zu einer S-Bahn für Ostwestfalen Lippe geplant, die im Kern künftig viertelstündlich zwischen Bielefeld und Minden verkehren soll. „Verwirklicht werden kann ein solches Zukunftskonzept aber nur, wenn die schnellen Fernverkehrszüge auf eine Neubaustrecke verlagert werden,“ kommentiert Andreas Schröder, PRO BAHN-Landesvorsitzender NRW den Zusammenhang. Und Detlef Neuß, PRO BAHN Bundesvorsitzender, erklärt: „ein Zukunftskonzept für den Regionalverkehr, wie es das Kompetenzcenter integraler Takt erarbeitet hat, ist bundesweit bisher einmalig und verdient daher eine ganz besondere Auszeichnung.“

Im Anschluss daran wird Rainer Engel für die Initiative Deutschlandtakt die Zusammenhänge darlegen und kommentieren. „Nicht nur in Richtung Berlin, sondern auch in Richtung Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wird diese Neubaustrecke die Fahrt von NRW um einer halben Stunde beschleunigen. Von Bielefeld nach Hamburg wird man mit einem ICE sogar in nur 90 Minuten fahren können, aber auch von Münster nach Magdeburg soll die Fahrt eine halbe Stunde schneller werden, das ist Sinn des integralen Taktfahrplans“, erklärt Engel. „Die regionalen Abgeordneten des Bundestages, die gegen die Neubaustrecke Stimmung machen, verschweigen den Bürgern aber nicht nur diese Zukunftschancen. Abgeordnete aus dem Kreis Minden-Lübbecke verschweigen auch, das im Mindener Ortsteil Dankersen Wohnhäuser abgerissen werden müssen und der nächtliche Lärm der Güterzüge in Bad Oeynhausen erhalten bleibt, wenn nach ihrem Wunsch neue Gleise nur von Minden bis nach Niedersachsen verlegt werden.“ Dieser Vortrag ist ab 17.9. auch in einer Online-Version zugänglich.

Auch das Planungsteam der Deutschen Bahn wird mit Informationen zugegen sein. Unter dem Titel „Bahnprojekt Hannover–Bielefeld. Stand der Planung“ wird Carsten-Alexander Müller, Leiter des Planungsteams der DB über die aktuelle Arbeit informieren. An einem Informationsstand können Bürger direkt mit den Mitarbeitern des Planungsteams sprechen.

Konkrete Trassenverläufe wird die DB noch nicht präsentieren. Die gründliche Vorbereitung erfordert voraussichtlich noch ein halbes Jahr und auch dann stehen die Vorschläge erst nur zur Diskussion und werden der Bewertung durch externe Gutachter unterzogen: Das Neuebauprojekt wird mit größter Rücksicht auf Umwelt und Interessen der Bürger geplant.

Die Vortragsveranstaltung ist Teil der bundesweiten Aktionen zum „Tag der Schiene“. Beginn  um 13:30 Uhr im Bürgerbahnhof Löhne, öffentlich zugänglich, die Plätze im Vortragssaal sind allerdings begrenzt. Im Anschluss daran wird die interne Landesversammlung 2022 des Fahrgastverbandes PRO BAHN NRW stattfinden. Der Fahrgastverband ist besonders dankbar, dass hierfür der Bürgerbahnhof Löhne zur Verfügung steht, weil Bürger der Stadt das Gebäude vor den Bahnsteigen wieder mit neuem Leben erfüllt haben.


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