Mönchengladbach, Remscheid: Renovierung der zentralen Omnibusbahnhöfe

von Axel Sindram | Nach 40 Jahren eine Auffrischung

Bei diesen Planungen wurde jedoch zumeist nicht berücksichtigt, dass im Stadtverkehr die Buslinien zumeist Durchmesserlinien sind, die keine Pausenplätze benötigen und die Stationen schnell anfahren und auch wieder verlassen sollen. Durch lange Wartezeiten an Ampeln an den Ein- und Ausfahrten, umständliche „Platzrunden“, Aufsuchen der zugewiesenen Halteposition und gegenseitige Behinderungen von ein- und ausfahrenden Bussen, entstanden hier deutliche Reisezeitverluste mit entsprechenden Mehrkosten für den Verkehrsbetrieb.

Für die ZOB und Mönchengladbach und Remscheid stand nach etwa 40 jähriger Betriebszeit eine Renovierung an, wobei die genannten Mängel im Betriebsablauf beseitigt und die Anlagen auch optisch aufgewertet werden sollten. Prägende Gestaltungsmerkmale waren in beiden Fällen aufwendige Überdachungen allerdings nur von Teilen des Haltestellenbereichs

Remscheid: Der "Hockeyschläger"

Blickfang und Überdachung der Haltestellen Fahrtrichtung Osten, nur wenig Witterungsschutz

Mönchengladbach: Die "Luftkissen"

Neu angelegte Mittelinsel, die überdachte Fläche wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich verkleinert, leuchtet nachts in den Unternehmensfarben

Mit der Neukonzeption der beiden Busbahnhöfe sollten die Betriebsabläufe vereinfacht und beschleunigt werden. Zudem sind sie nunmehr barrierefrei.

Der Vorgängerbau in Mlnchengladbach war eine wuchtige Stahlkonstruktion, die an allen Haltepositionen eine großzügige Überdachung bot. Betrieblich war er unterteilt in eine Durchfahrtsstraße vor dem Bahnhofsgebäude und dahinter liegende Abstellpositionen im 90°-Winkel dazu für endende Linien, eine durchaus funktionale Aufteilung. Prägendes Element des neuen ZOB ist die Mittelinsel mit der filigranen "Luftkissen"-Überdachung, die durch LED`s nachts in den Unternehmensfarben beleuchtet wird. Die Konstruktion bietet einen hinreichenden Witterungsschutz für die Haltepositionen die an der Mittelinsel liegen.

Die Dachkonstruktion in Remscheid ist eine elegante langgezogene Bogenkonstruktion ("Hockeyschläger) , die nach Westen beinahe über den eigentlichen ZOB hinausragt und ebenfalls ein deutlicher Hingucker ist. Sie betont zudem die Durchfahrt auf der ÖPNV-Achse vom Allee-Center in Richtung Markt und Hbf. Sie bietet aber durch ihre Höhe nur wenig Witterungsschutz. Auf der Südseite des Dachs wurde der ZOB verkleinert und es entstand eine neue Freifläche

ZOB Mönchengladbach Nordseite

Außerhalb der Mittelinsel nur noch Standardmöblierung

ZOB Remscheid Nordseite

Remscheid ZOB Nordseite, nur noch Standardmöblierung

Außerhalb der beiden prägenden Highlights hat man jedoch leider den Eindruck, dass den Planern hier das Geld ausgegangen ist. Es findet sich nur noch Standardmobiliar mit handelsüblichen Wetterschutzhäuschen, was im Fall Mönchengladbach einen deutlichen Rückschritt bedeutet. Zusätzliche "Luftkissen" und "Hockeyschläger" hätten das Bild der beiden ZOB sicher abgerundet. Zudem wurde in Remscheid die große Abstellfläche mit langen Umsteigewegen auf der Nordseite beibehalten, Mönchengladbach wirkt da etwas kompakter. 

Schließlich verfügen beide ZOB (noch?)  nicht über eigentlich übliche Versorgungseinrichtungen, (WC, Kiosk, Bäckerei, Mobi-Center usw..) Dies wirkt sich in Remscheid deutlich negativ aus, weil der Friedrich-Ebert-Platz seit jeher etwas abseitig zur Innenstadt und den stärker frequentierten Nachbarhaltestellen liegt und die meiste Zeit des Tages wenig belebt wirkt. In Mönchengladbach ist dagegen im Hauptbahnhof alles vorhanden.

Fazit:

In beiden Städten ist es gelungen städtebauliche Akzente zu setzen. Beide Vorgängerbauten waren jedoch ebenfalls durchaus funktional, aus Sicht des Busbetriebes bestand nur wenig Optimierungsbedarf, der eine solche Investition erforderlich gemacht hätte. Ursächlich für die Entscheidung zum Neubau waren vermutlich das Auslaufen der Zweckbindung für die vorherigen Anlagen und neue Förderzugänge. Hoffen wir, dass die beiden neuen ZOB von den Fahrgästen gut angenommen werden und sich dies in einer steigenden Fahrgastzahl für die Unternehmen niederschlägt.


Kommentare

Kommentar von PriSac |

Mh, also der ZOB in der schönen #StadtMG ist kein ZOB mehr, also manchmal, da streiten noch die Gelehrten ... Nun ist es der Mobilitätshub der Zukunft manchmal und das jebbet ooch nur, weil die Hälfte des damaligen ZOB noch bebaut werden soll, was dann aber nicht ganz so klappt wie gewollt. https://ris-moenchengladbach.itk-rheinland.de/sessionnetmglbi/vo0050.asp?__kvonr=14829 Begeistert bin ich von den Lichtzeichenanglagen, die sollt man mal unbedingt ausprobieren. Mit den Anzeigetafeln kann ich nichts anfangen, da habe ich wohl die falsche Schulbildung ... und wo welche Linie nun abfährt, ist so im Vorbeigehen leider nicht mehr ersichtlich, da hat das Design die Usability ausgegrätscht. Zum Architekten: https://www.kbnk.de/projekt/zob-moenchengladbach/ Zum Bauträger: https://www.new.de/zob-mg Zu den Investitionen: https://www.moenchengladbach.de/de/blog/vitusblog/der-neue-zob und irgendwo waren da noch Fördergelder zurückzuzahlen, das gibt aber leider das Ratsinformationssystem der Stadt Mönchengladbach nicht her.


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