Neuer S-Bahn-Takt an der Ruhr?

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Foto: @ Roland Stahl

Nach langen Planungen und heftigen Debatten sollen die VRR-Gremien jetzt entscheiden, ob die S-Bahnen im Bereich des Ruhrgebiets ab Dezember 2019 in veränderten Takten unterwegs sein werden. Das Land hatte für das gesamte S-Bahn-Netz eine Untersuchung angeregt, um ein an den zukünftigen RRX-Takt angepasstes Taktraster zu schaffen.

Zunächst wurde ein mit nur kleineren Anpassungen auf jetziger Infrastruktur fahrbares Netz mit genauem Fahrplan entworfen, das in etwa die gleiche Fahrzeugzahl und ähnlich viele Zugkilometzer wie das jetzige umfasst. Dabei wurden auch einzelne ergänzende RB-und RE-Linien in die Betrachtung mit einbezogen. Für die einzelnen Streckenabschnitte gab es unterschiedliche Möglichkeiten, nämlich

  • Taktverdichtung in der Morgen- und Nachmittagsspitze (HVZ) und Ausdünnung in der Zeit dazwischen (NVZ)
  • Taktverdichtung auf 15' in HVZ und NVZ
  • Taktausdünnung auf 30' in HVZ und NVZ
  • Taktausdünnung auf 30' bei gleichzeitiger Einrichtung einer parallelen stündlichen RB-Verbindung mit Bedienung der größeren Halte.

Anschließend wurde für dieses Netz ein Fahrplan aufgestellt und dieser in einer Nachfrageuntersuchung überprüft. Dabei kam heraus, dass sowohl im Raum Köln als auch im Raum Düsseldorf die Nachfrage durch dieses Netz nicht gesteigert werden kann, im Ruhrgebiet aber deutliche Nachfrageeffekte prognostiziert wurden. Grund für das schglechte Ergebnis in der Rheinschiene ist der Umstand, dass die heutigen 10-Minuten-Takte in der HVZ beim 15-/30-Taktraster nur durch unsaubere 7,5-/7,5-/15-Minuten-Takte erzielbar sind und die Stammstrecken in den Knoten Düsseldorf und Köln auch keine größere Verdichtung mehr aufnehmen können.

Anschließend wurden acht verschiedene Szenarien entwickelt, wie das S-Bahn-Netz in einen Teilbereich mit 15-/30-Minuten-Takt und einen Rest mit 20-Minuten-Grundtakt aufgeteilt werden kann. Übrig blieb ein Szenario, bei dem die Trennpunkte in Essen (S 6 gegnüber anderen Linien), Duisburg (im Lauf der S 1) und Wuppertal (S 9 gegenüber anderen Linien) liegen.

Das so entwickelte Netz umfasst folgende Linien.

S1 Dortmund-Essen 15'
Essen-Duisburg 30'
Duisburg-Solingen 20'
(eine Fahrt pro Stunde hat 10 Minuten Standzeit in DU Hbf)
S2 30'-Takt Dortmund-Herne
'60': Herne-Essen,
'60: Herne-Recklinghausen,
letztere dann auch abends und am Wochenende
S3 30-Minuten-Takt durchgehend auf der gesamten Strecke
S4 30-Minuten-Takt durchgehend auf der gesamten Strecke
S9 30-Minuten-Takt, neuer Abzweig nach Recklinghausen (Reaktivierung Hertener Bahn)
S24 neue HVZ-Linie DO-Mengede – DO-Dorstfeld – UN-Königsborn, 30', hält zwischen DO-Stadthaus und UN-Königsborn an den Zwischenstationen nur in Lastrichtung
S42 neue HVZ-Linie DO-Lütgendortmund – DO Hbf, 30'

HVZ

Die Hauptverkehrzeit (HVZ) beschränkt sich im geplanten Netz auf die "Rush Hour" im Berufsverkehr morgens und nachmittags und nicht wie heute im 20-Minuten-Takt über den ganzen Tag.

RE-/RB-Ergänzungsangebote

RB3 Neue Linie Duisburg – Gelsenkirchen – Dortmund mit Direktfahrt zwischen DO-Mengede und DO Hbf (bis zu 10 Minuten Fahrzeitgewinn gegenüber S 2), zwischen Dortmund und Gelsenkirchen 30-Minuten-Takt zusammen mit RE 3, zwischen Gelsenkirchen und Duisburg ein beinahe 30-Minuten-Takt wegen zwei zusätzlichen Halte
RE14 Verlängerung nach E-Steele Ost, zwischen Dorsten und E-Steele Ost 30'-Takt
RB33 verkehrt nach Bottrop statt nach Wesel
RB41 Neue Linie Wesel – Oberhausen – Essen – Wuppertal mit Halt in MH-Styrum und Essen West, zwischen E-Steele und Wuppertal nur Halt in E-Kupferdreh, Velbert-Langenberg, Velbert-Neviges und W-Vohwinkel (9 Minuten Fahrzeitgewinn Essen – Wuppertal)
RB44 Ersatz durch RB33 und RB41

Ein deutlicher Vorteil dieser Angebotskonzeption liegt in gleichbleibenden Taktzeiten zu allen Betriebszeiten und dem Wegfall der Taktsprünge gegen 19 Uhr, die heute auf den meisten Linien zu verkürzten Fahrten oder Standzeiten z. B. in Essen Hbf führen. Infrastrukturell sind zwei neue Weiche in Wülfrath-Aprath sowie ein zweigleisiger Ausbau der Station Essen-Dellwig Ost erforderlich. Wenn letzteres nicht rechtzeitig fertiggestellt werden kann, müsste die S 9 nach Recklinghausen einen Halt auslassen.

Den kompletten Aritkel können Sie in wenigen Tagen in der neuen Ausgabe der Ruhrschiene lesen.


Kommentare

Kommentar von Isenmann |

Die S 9 müßte in den Zeiten morgen (zw. 5.30 und 8) sowie nachmittags zw 1530 und 1730 wie bisher 3 x pro Std. fahren, sonst entstehen Riesenstaus auf der Wuppertaler Str und Ruhrallee in Essen.

Kommentar von S-Bahnfahrer |

Ich pendele regelmäßig ab Essen (Frohnhausen) mit der S-1 nach Düsseldorf. Es wäre für viele Berufspednler schon ein herber Verlust, wenn diese Direktverbindung ab Essen zum Flughafen Düsseldorf und nach Unterrath sowie Derendorf - wo sich sehr viele Arbeitsplätze befinden, ausgedünnt wird. Der 20-Minuten Takt stößt bereits jetzt in den Stoßzeiten außerhalb der Schulferien zwischen Essen und Duisburg definitiv an seine Grenze, ich schätze dass dann immer um die 90 % aller Sitzplätze belegt sind . Würde das für alle die Pendler bedeuen, in Dusiburg immer 10 Minuten Reisezeit verlieren? 

Kommentar von Christopher |

Wenn man das wirklich so umsetzt bin ich aber echt enttäuscht! Man kündigte den riesigen Gewinn an Fahrzeit zwischen Wuppertal und Essen an und jetzt sollen es nur 9 Minuten sein? Fakt ist, dass die S9 oft von Leuten genutzt wird, die tatsächlich bis Essen Hbf durch fahren und dafür sind 48 min Fahrtzeit definitiv zu lang! Man erhoffte sich eine Fahrzeit im Stile von 25 bis 30 Minuten. Schade!! Vielleicht streichen sie ja noch die Halte in Velbert, oder lassen die RB nur 1x halten, z.B. in Neviges, das ist nämlich ziemlich die Mitte zwischen Kupferdreh und Vohwinkel und somit können die Fahrgäste, die zu den Zwischenbahnhöfen müssen einfach mit der S9 nachziehen, wenn man die Fahrzeit unter 30 Min. drücken könnte, wäre das Seitens des VRR eine tolle Leistung! 

Kommentar von Leon D. |

Die S9 gehört für mich auch zu den wichtigsten S-bahnlinien über die es zu diskutieren geht, da ich sie zumindest an Wochenenden regelmäßig nutze. An Wochenenden ist sie zwar nicht so stark ausgelastet, jedoch wäre es sicherlich langfristig nötig entweder die S9 auf einen 15-Takt in der HVZ auszuweiten, das muss ja nichteinmal über die gesamte Strecke sein, sondern beispielsweise nur zwischen Bottrop Hbf und Velbert-Langenberg sein. Die andere Variante wäre die neue RB41 in der HVZ auf einen 30Min-Takt zu verdichten. Bei der S9 könnte es durch die Verdichtung jedoch Trassenkonflikte in Velbert-Langenberg sowie zwischen Essen-Steele und Bottrop geben, bei der RB41 wäre ich mir da nicht so sicher.


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